WG statt Gotteshaus

Auf dem Gelände des ehemaligen evangelischen Kirchen- und Gemeindezentrum im Schaffrath entsteht ein Seniorenprojekt.
Reger Baustellenbetrieb herrscht seit etlichen Wochen im Zentrum von Schaffrath. Die Anwohner beobachten, wie das ehemalige evangelische Kirchen- und Gemeindezentrum unter der Leitung von Architekt Ulrich Domnik für seine neue Bestimmung als Wohnprojekt für Seniorinnen und Senioren umgebaut wird. Wenn alles weiter so nach Plan läuft, so Bauherr Claudius Hasenau, Geschäftsführer der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, werden die neuen Mieter bereits im November in die drei Wohngemeinschaften einziehen können.
Vorbild für die neue Wohnanlage in Schaffrath ist das von der Fachzeitschrift „Häusliche Pflege” mit dem bundesweiten Innovationspreis ausgezeichnete Wohnprojekt „Leben am Rheinelbepark“, das der Gelsenkirchener Pflegedienst bereits seit 2006 mit, so Hasenau, „nachweislich guten Erfolgen besonders für die Lebensqualität von Menschen mit Demenzerkrankungen” begleitet.
„Die Ärzte mussten bei einem Großteil der Mieter im ersten Jahr ein Drittel weniger
Medikamente verschreiben. Und die Angehörigen haben uns in externen Befragungen
bescheinigt, dass es den Menschen dort deutlich besser geht als vorher in der eigenen
Wohnung“, erklärt Hasenau.
Am Stegemannsweg in Schaffrath wird der vorhandene Altbau zu einer Wohngemeinschaft für acht Mieter umgebaut und mit einem Neubau für zwei weitere Wohngemeinschaften ergänzt.
Insgesamt können dann 24 Mieter in drei barrierefreien Wohngemeinschaften wohnen, mit oder ohne Ehepartner, in Abstimmung mit den Mitbewohnern auch mit „Hund, Katze, Maus“ und dergleichen.
Einzelpersonen können Einheiten von 50 Quadratmetern anmieten, für Ehepaare sind größere Einheiten, bei denen die individuellen Räume durch Türen verbunden werden können, möglich. Eine Sozialarbeiterin wird – quasi als „Hausmutter“ – die Schnittstelle bilden zwischen den Betreuungs- und Dienstleistungen, auf die sich die einzelnen Wohngemeinschaften verständigen. Natürliche Baustoffe, ein großer Gemeinschaftsgarten und Farbkonzepte zur Orientierung sind Bestandteile der Anlage.
Die ersten Gespräche mit dem Kirchenvorstand und Presbyterium der Gemeinde Buer-
Beckhausen hatten im August vorigen Jahres stattgefunden.
Mit dem Projekt werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Angelaufen sei bei der Agentur für Arbeit eine Qualifizierung als Vorbereitung auf das kommende Aufgabenfeld. Ein halbes Jahr lang werden hier 20 Teilnehmer Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang und in der Begleitung demenzkranker Menschen erwerben.
Hier – wie übrigens in dem gesamten Konzept des Wohnprojekts – stehe die „Natürlichkeit in der Begegnung“ im Vordergrund.
Chemie muss stimmen
Zwar gibt es bereits Interessentenlisten, aber noch können sich Bewohnerinnen und Bewohner für die drei Wohngemeinschaften bewerben. „Letztlich muss ja die Chemie der Bewohner untereinander stimmen, deshalb gibt es im Vorfeld Informationstreffen und Kennenlernnachmittage für Interessenten und Angehörige“, erklärt die examinierte
Krankenschwester Petra Hasenau, die unter Telefon 0209.92305-0 weitere Auskünfte erteilt. Petra Hasenau ist ebenfalls APD-Geschäftsführerin.
Nun Glocke als Symbol
„Es ist uns nicht leicht gefallen”, sagt APD-Gechäftsführer Claudius Hasenau. Aber man habe den Kirchturm des evangelischen Kirche im Schaffrath abreißen müssen. Die Fundamente seien im Laufe der Zeit so marode geworden, „dass wir den Kirchturm hätten neu gestalten müssen”. Eigentlich, so Hasenau, habe man den Turm „als Symbol” stehen lassen wollen.
An seiner Stelle soll jetzt die größte der drei Glocken, die nach dem Kirchenabriss übrig geblieben sind, diese Symbolfunktion wahrnehmen und weithin
sichtbar aufgestellt werden. Was mit den beiden anderen Glocken geschehen wird, weiß Hasenau noch nicht. „Wir müssen darüber mit der Gemeindeleitung sprechen.” Er könne sich durchaus vorstellen, dass auch in einem anderen Kirchentrum diese Glocken läuten. Interessenten können sich an ihn wenden. chris
- Dateien:
wg_statt_gotteshaus.pdf