Arbeitszeit ist Lebenszeit – Arbeitsraum ist Lebensraum

Mit zufriedenen Mitarbeitern die Zukunft meistern: APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau über Personalentwicklung und wachstumsorientierte Wertschätzung in einem großen Pflegeunternehmen.

Der Diplom-Verwaltungswirt Claudius Hasenau (*1966) ist Gründungsgeschäftsführer der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH.

Der 3. September ist der „Tag der Wertschätzung“, ausgerufen von der Initiative heartleaders. Claudius Hasenau, Gründer und Geschäftsführer der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, befasst sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema. Er sagt: „In einem Familienunternehmen wie der APD, das zusammen mit seinen Mitarbeitenden in der Pflege wachsen, innovativ und erfolgreich sein will, muss jeder Tag ein Tag der Wertschätzung sein.“ Wie das im Alltag bei der APD aussieht, erläutert Claudius Hasenau im nachfolgenden Interview.

? Damit jeder Tag ein Tag der Wertschätzung sein kann, muss Mitarbeiterorientierung fest im Leitbild des Unternehmens verankert sein? Wie sieht das bei der APD aus?
Claudius Hasenau (CH): Wir sind ein echtes Familienunternehmen und verstehen uns als Dienstleister mit traditionellen und modernen Werten. Wir fühlen uns dem humanistischen Gedanken verpflichtet. Ob Mitarbeiter, Patient, Angehöriger oder Dienstleister: Bei uns steht immer der Mensch im Mittelpunkt, egal welchen Alters, welcher Weltanschauung oder Herkunft. Darauf bezieht sich auch unser Motto: „Wir kümmern uns“. 2018 feiert die APD ihr 25-jähriges Bestehen. Das bestätigt uns in der Überzeugung, dass dieser Weg der richtige ist.

? Mitarbeiterorientierung kostet Geld. Wo investiert die APD?
CH: Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. Diesen Satz meinen wir sehr ernst. Damit sie die qualitativ hochwertige Pflege dauerhaft leisten können, die wir uns wünschen, investieren wir viel in ein strukturiertes Qualitätsmanagement nach dem EFQM-Modell und ebenso viel in unsere Mitarbeiter. Aus- und Weiterbildung schreiben wir in großen Buchstaben und ermuntern aktiv zum Weiterlernen. Zum einen frischen unsere Teams ihr fachliches Wissen kontinuierlich auf, zum anderen beziehen wir ständig neueste Erkenntnisse aus den Pflegewissenschaften und der Forschung in unseren Arbeitsalltag ein. Die Mitarbeitenden besuchen dazu Seminare und Kongresse in ganz Deutschland. Parallel bieten wir inhouse Lehrgänge und Kurse an, zum Beispiel zur Teamentwicklung. 2017 nutzen drei Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, ihr Wissen im Rahmen eines Studiums berufsbegleitend zu vertiefen – das ist bisheriger APD-Rekord! Die Kosten für ihr Bachelor- oder Masterstudium der Gesundheitswirtschaft, der Pflegewissenschaft und der sozialen Arbeit übernehmen wir. Außerdem bilden wir in einer eigenen Ausbildungsabteilung mehr als 50 Frauen und Männer als Pflegefachkräfte aus, demnächst werden auch Geflüchtete dazuzählen.

? Was bedeutet dieser Ansatz für die Führungskultur?
CH: Unsere Führungskultur ist partizipativ. Das bedeutet: Jedem Mitarbeitenden wird die Möglichkeit gegeben, sein berufliches, soziales und persönliches Potenzial bestmöglich in seine Arbeit und das Unternehmen einzubringen. Gleichzeitig engagieren wir uns stark für eine höhere Wertschätzung und bessere öffentliche Wahrnehmung des Pflegeberufs. Wir betreiben eine aktive Öffentlichkeitsarbeit und beteiligen uns an der Kampagne „Wir können Pflege“. Das kommt bei unseren Leuten hervorragend an.

? Wie wird die Einladung zur Partizipation von den Mitarbeitenden angenommen?
CH: Sehr gut. Das wissen wir aus unseren Mitarbeiterbefragungen, die wir regelmäßig extern erheben und auswerten lassen. Bereits 2008 erhielt die APD die Auszeichnung TOP JOB als einer der 100 besten Arbeitgeber im Mittelstand. Regelmäßig beteiligen wir uns mit großem Erfolg an Wettbewerben und Projektausschreibungen.

? Der Pflegeberuf gilt als Knochenjob. Wie lässt sich in dieser Branche eine gute Work-Life-Balance herstellen?
CH: Wenn wir sehen, dass sich in einem Bereich unseres Unternehmens eine zu hohe Belastung entwickelt, stellen wir erst einmal neue Mitarbeitende ein. Wir wissen: Ist ein Mitarbeiter erst einmal psychisch und/oder physisch belastet, steigt die Gefahr einer Kündigung rasant, während die Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitsqualität und Arbeitszufriedenheit meist sehr lange dauert. Unsere Arbeitsverträge orientieren sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Eine gute Einarbeitung und Betreuung der Kräfte ist bei uns selbstverständlich. Auf diese Weise gelingt es uns, die Identifikation mit dem Unternehmen zu stärken, die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz zu erhöhen und die Bindung der Mitarbeitenden dauerhaft zu festigen.

? Sie sprachen gerade das Thema Interne Schulungen an. Welche Rolle spielen sie bei der APD?
CH: In der Pflege arbeiten die meisten Professionen in einer Gruppe zusammen. Wir lassen diese Gruppen nicht allein, sondern begleiten sie, geben ihnen Halt und schaffen Raum für Entwicklung. Dazu haben wir ein spezielles Programm entwickelt, das die Teilnehmenden für die Themen Gruppe und Team sensibilisiert. Wir haben gelernt: Mitglieder einer Gruppe sind selten allein dazu in der Lage, eine Gruppe zu strukturieren, sich selbst zu positionieren und gemeinsam eine optimale Leistung zu erbringen. Fast jede Gruppe profitiert von einer kontinuierlichen Begleitung und aktiven Unterstützung. Dies kann nachhaltig Erfolge für das Unternehmen und für den einzelnen bringen.

? Unter dem Dach der APD arbeiten mittlerweile fast 400 Männer und Frauen. Wie können die Leitungskräfte gestärkt und ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen?
CH: Mitarbeiterführung ist lernbar. Deshalb schulen wir unsere Leitungskräfte für die Leitung ihrer Gruppen und Teams. Für die Einführung eines neuen Mitarbeitenden ist es bei uns sehr wichtig, dass die Leitungen bereits bei der Auswahl aktiv beteiligt sind. Auch die eigene Rolle als Führungskraft wird besprochen und klar definiert. So lernen die Gruppen- und Teamleitungen ihre Stärken kennen und reflektieren, das stärkt sie für ihre verantwortungsvollen Aufgaben. Außerdem erhalten alle Leitungskräfte extern ein individuelles Coaching mit Schwerpunkt Führung und Kommunikation, damit sie ihre Führungsfunktion sicher beherrschen.

? Wenn Pflege, dann APD – so lautet ein Slogan des Unternehmens. Arbeitskräfte in der Pflege sind heute heiß umworben. Was macht die APD zu einem besonders attraktiven Arbeitgeber?
CH: Wir sagen: Arbeitszeit ist Lebenszeit, und Arbeitsraum ist Lebensraum. Diese Idee durchzieht unser gesamtes Unternehmen auf allen Ebenen. Wir bieten unseren Mitarbeitenden sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze mit unbefristeten Verträgen. Außerdem fühlen wir uns verantwortlich für ihre persönliche Situation. Wird jemand krank, erfolgt innerhalb des Unternehmens kurzfristig eine Umbesetzung. Ist die Arbeitsleistung zeitweise eingeschränkt, haben wir in Gelsenkirchen kein Problem damit, die Arbeitszeiten für diesen Zeitraum zu verändern oder anzupassen. Natürlich sind bei uns auch Arbeitskräfte beschäftigt, die im Laufe der Jahre ein Handicap oder eine chronische Erkrankung entwickelt haben. In diesen Fällen schauen wir gemeinsam mit den Betroffenen, welche Arbeitsinhalte wie verändert werden können und welche neuen Arbeitsfelder optional zu „erobern“ wären. Gemeinsam überlegen wir eine individuelle Lösung, die den Ansprüchen und Bedürfnissen des Mitarbeitenden so weit wie möglich entspricht. In belastenden Lebenssituationen wie Scheidung oder Verlust von Angehörigen kann jeder APD-Mitarbeitende einen durch unser Unternehmen zertifizierten Coach in Anspruch nehmen, um mit der belastenden Lebenslage umgehen zu können. Die Kosten für die Supervision übernimmt die APD.

? Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein modernes Zauberwort. Wie steht die APD zu diesem Thema?
CH: Den Wert eines guten BGM kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wir haben 2017 erstmals ein eigenes Präventionsprogramm aufgelegt, um Krankheiten oder Verschleißerscheinunungen vorzubeugen. Überall in den Büros steht frisches Obst für die Mitarbeitenden griffbereit, mit großem Erfolg haben wir einen ersten Nichtraucher-Kurs durchgeführt. Besonders stolz sind wir auf die Initiative „Fit durch den Beruf“: Jeder unserer Mitarbeiter – auch Jahrespraktikanten, Auszubildende und Aushilfskräfte – kann unbegrenzt kostenlos in einem qualitativ hochwertigen Fitness- und Gesundheitszentrum in Gelsenkirchen trainieren, Angehörige zum halben Preis. Die Resonanz ist riesig. Unsere Mitarbeiter sind begeistert. Das bestärkt uns, diesen Weg fortzusetzen.

? Die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf ist ein zentrales Thema bei der Auswahl eines Arbeitgebers. Welche Antwort hält die APD bereit?
CH: Wir haben einen ganzen Blumenstrauß von Maßnahmen entwickelt, denn wir lieben Familien und vor allem Kinder. Wir freuen uns, wenn sich unsere Mitarbeiter binden oder Nachwuchs erwarten. Wir sehen darin auch einen Vertrauensbeweis für unser Unternehmen. Für die Mitarbeiter ist es deshalb möglich, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten und sie den Zeiten der Kinderbetreuung anzupassen. Da die Zahl älterer Mitarbeiter kontinuierlich steigt, haben wir uns intensiv mit den Bedürfnissen älterer Mitarbeiter auseinandergesetzt. Ihre Arbeitsabläufe haben wir so organisiert, dass auch sie sich optimal für das Wohl der Patienten einsetzen können und sich dabei selbst sicher und zufrieden fühlen. Die Arbeitsleistung erfahrener Menschen ist von unschätzbarem Wert für unser Unternehmen. Wir tun alles dafür, dass im Alltag sowohl die jungen als auch die älteren Mitarbeiter von den geschaffenen Strukturen profitieren. Jeder Einzelne ist wichtig. Wir haben noch viel vor und wollen weiter kräftig zulegen, vor allem im Bereich der ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf, kombiniert mit bezahlbarem Servicewohnen. Unser Ziel, mit unseren Teams gemeinsam zu wachsen, kreativ und erfolgreich zu sein, kann nur im Zusammenspiel und durch gegenseitiges, lebenslanges Lernen erreicht werden.

* Der Diplom-Verwaltungswirt und APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau (*1966) ist ein gefragter Referent und Autor zum Thema Personalführung und Personalentwicklung in Pflegeunternehmen. Seine Erkenntnisse hat er zum Beispiel in einem Beitrag zu dem Buch „Mitarbeiterführung ist lernbar – Praxiswissen für Führungskräfte in Gesundheitsberufen“ von Dina Loffing und Christian Loffing (Springer, 2010) zusammengefasst.