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29.08.08 17:56

Von: WAZ; Gelsenkirchen, 28.08.2008, Von Lars-Oliver Christoph

Die Alltagsbegleiterin

So genannte Präsenzkräfte setzen bei dementen Menschen da an, wo die reine Pflege aufhört. Frauen über 40 werden durch Sonderprogramm für diese Tätigkeit qualifiziert. APD schafft in neuem Wohnprojekt 20 Jobs

Demenz im fortgeschrittenen Stadium: "Wo ist meine Mama?", fragen Betroffene häufiger. Und: "Ich will zu meiner Mama!" Mit solchen und ähnlich schwierigen Situationen umgehen müssen nicht nur die ausgebildeten Pflegekräfte, sondern auch so genannte Alltagsbegleiterinnen wie Monika Timme.

 

Im vor zwei Jahren von den APD Pflegediensten in Ückendorf eröffneten Wohnprojekt für Demenzkranke arbeitet die 47-jährige. Mit 16 Kolleginnen setzt sie mit

ihrer Tätigkeit da an, wo die reine Pflege aufhört.

 

Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen sei ihnen sehr wichtig, sagt APD-Chef Claudius Hasenau. Bei der Agentur für Arbeit habe sein

Unternehmen damit offene Türen eingerannt.

 

"Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen", kurz:

"WeGebAU" heißt das Förderprogramm, über das 40 Jahre alten Frauen fit gemacht worden sind für die verantwortungsvolle Tätigkeit in den APD-Demenz-Wohngruppen. Als Bildungsträger zeichnet der am Bahnhofsvorplatz ansässige VDAB (Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe) verantwortlich.

 

Über sechs Monate und 907 Stunden erstreckt sich die Qualifizierung zur Alltagsbegleiterin (im Behördendeutsch: Präsenzkraft). Verständnis für die Lebenswelt sollen die Teilnehmerinnen dabei ebenso entwickeln wie die Alltagsgestaltung in den Wohngruppen oder die Haushaltsführung.

 

Angesichts der demographischen Entwicklung und des Trends, dass demente Menschen so lange wie möglich in familienähnlichen Strukturen wohnen wollen, werde diese Tätigkeit an Bedeutung gewinnen, so APD-Chef Hasenau. Schon am 1. November sollen den Worten weitere Taten folgen: Dann eröffnet der Pflege-Dienstleister eine zweite Demenz-Wohngemeinschaft in Schaffrath. Am Ex-Standort der ev. Kirche sollen 20 sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen - darunter Stellen für Alltagsbegleiterinnen.

 

Vom "Job-Motor Pflege" spricht der APD-Geschäftsführer denn auch gerne - und findet

Zustimmung bei Beate Kostka (Arbeitsagentur). Die hohe Bedeutung der Weiterbildung für diesen und andere Bereiche habe sich aber noch nicht bei allen durchgesetzt: "Wenn Bildung so populär wäre wie die Dauerkarten auf Schalke, dann hätten wir in Gelsenkirchen schon viel gewonnen", sagt Kostka.

 

Nicht nachvollziehen könne sie die "verlogene" Diskussion über den Einsatz von

Langzeitarbeitslosen in der Betreuung von Demenzkranken: "Wir würden nicht Menschen auf Menschen loslassen, ohne sie zu qualifizieren."

Dateien:
alltagsbegleiterin.pdf

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